"Speziell das Bergauf-Laufen fördert konditionelle Elemente bei einer geringen Belastung für Knochen und Gelenke." Dieses Zitat aus dem Wikipedia-Berglaufartikel kann ich nur bestätigen. Bergläufe sind tolle Trainingseinheiten, besonders wenn man den Bergab-Teil durch eine Liftfahrt ersetzt. In den Kitzbüheler Alpen gibt es einige Gondelbahnen zu deren Bergstationen im Winter laufbare Wege führen.Berglauf abseits geräumter Straßen im Winter, Spikes
Mit Spikes kann man seinen Aktionsradius im Winter stark erweitern. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit "Snowline-Chainsen" Spikes/Schneeketten für Laufschuhe gemacht. Sie sind leicht zb. in einem Rucksack mitzunehmen. Man hat sie in Sekunden auf den Schuhen montiert und entfernt (zb. für Asphalt-Abschnitte sind Schuhe mit fixen Spikes schlecht geeignet). Man wird beim Laufen auf flachen Schnee-Abschnitten nicht beeinträchtigt. Wenn es steil wird, ist der Grip sehr gut. Testgelände war die Hahnenkamm Schirennstrecke in Kitzbühel am Ende eines Schitages - also abgerutschter, harter Kunstschnee. Auch die steilsten Abschnitte wie Hausbergkante, Steilhang und Mausefalle sind zu bewältigen. Bei so steilem Gelände sind Schitourenstöcke hilfreich. Bei den Routenvorschlägen unten ist angegeben ob Spikes notwendig sind.

1.) Kitzbühel - Kitzbüheler Horn (Alpenhaus) (9,2km, 980hm)
Jedes Jahr findet im Spätsommer (meist am gleichen Tag wie der Ötztal Radmarathon) auf dieser Strecke mit dem 'Hornlauf' ein prominent besetzter Berglauf statt. In den letzten Jahren hieß der Sieger mehrfach Jonathan Wyatt. Die Zeiten der Profis sind beeindruckend - der Rekord von Wyatt liegt bei 55:58 - und zwar vom Stadtzentrum Kitzbühels bis zum Gipfel des Kitzbüheler Horn (12.9km, 1234hm). Die im Winter gut laufbare Strecke ist 9,2km lang und hat 980hm Höhendifferenz. Parkmöglichkeit gibt es am Parkplatz der Hornbahn. Von der Einfahrt des Parkplatzes startet man leicht steigend zum 'Römerweg' durch eines der Nobel-Wohnviertel Kitzbühels.
Die ersten ca. 2km führen über Felder flach Richtung St.Johann und sind ideal zum Warmlaufen. Der eigentliche Anstieg führt über die asphaltierte Mautstraße zum "Alpenhaus". Beim Beginn der Steigung befindet sich eine Zeitmess-Station (für Radfahrer, nur im Sommer im Betrieb), über die man seine Zeit bis zum Alpenhaus messen kann. Die Steigung hat von hier durchgehend über 10%. Ab hier steht der Rad-Rekord von Thomas Rohregger bei 28:24 Minuten.
Bis zur Mautstelle (erstes kurzes Flachstück nach ca. 200hm) wird die Straße im Winter geräumt. Ab der Mautstelle ist die Straße für Fahrzeuge gesperrt, sie wird aber von Wanderern und Rodlern begangen. Achtung: im oberen Bereich kann der Durchgang bei Lawinengefahr gesperrt sein - in diesem Fall bitte umkehren bzw. im Zweifelsfall vorher bei der Bergbahn Kitzbühel erkundigen (Telefon +43 (0) 5356 6951, Email Kontaktformular).
Im oberen Streckenbereich wird das Panorama über die Kitzbüheler Alpen und den Wilden Kaiser immer besser. Die größte Steigung wird im sogenannten 'Knödelfleischgraben' mit etwas über 20% erreicht. Kurz danach sieht man aber schon das Ziel - den Berggasthof Alpenhaus - gleichzeitig Bergstation der Gondelbahn. Im Haus hat man die Möglichkeit sich windgeschützt umzuziehen und etwas zu essen und zu trinken. Die Talfahrt ist im Winter von 09:00 bis 17:00 möglich.Spikes: nicht erforderlich.
Höhenprofil und Fotos:

2.) Kitzbühel - Hahnenkamm - Ehrenbachhöhe (6km, 1150hm)
Eine knackige Trainingseinheit verspricht ein Winter-Berglauf auf der Hahnenkamm-Abfahrtsstrecke - knapp 900hm auf nur 3,5km Streckenlänge. Inspiriert von der Teilnahme an der Veranstaltung "Streif Vertical Up" habe ich die Streif-Abfahrtsstrecke mehrfach probiert. Die Siegerzeit war mit 32 Minuten für fast 900hm fast unglaublich. Um auf der Strecke eine Linie zu finden die funktioniert braucht man einige Versuche.
Parkmöglichkeit gibts bei der Talstation der Hahnenkamm-Bahn. Von dort startet man Richtung Zielbereich des Schirennens. Am Beginn läuft man dann bis zur "Gams", die unübersehbar unterhalb der Hausbergkante über Kitzbühel trohnt. Hinter der Gams am Waldrand oberhalb der Piste bis zur Hausbergkante und dann auf einem etwas flacheren Abschnitt bis zur Seidelalm. Dort am besten eher rechts bleiben und die "alte Schneise" umlaufen.
In Steilhang und Mausefalle hat man mit Laufschuhen im Winter eigentlich nichts verloren, auch mit Spikes ist es riskant. Wenn man ausrutscht, rutscht man unter Umständen weit (beim Steilhang sind die schlimmsten 10 Meter ganz oben...). Es gibt einen Schiweg um Steilhang und Mausefalle als Ausweichmöglichkeit. Die Originalstrecke sollte man nur versuchen wenn man sich wirklich sicher und wenn man nicht allein unterwegs ist. Nach getaner Arbeit kann man vom Starthaus des Schirennens noch eine schöne Runde zur Ehrenbachhöhe zum Auslaufen anhängen. Die Talfahrt mit der Hahnenkamm-Bahn ist bis 17:00 möglich, Freitags bis 23:00. Spikes sind auf der Strecke unbedingt erforderlich.Höhenprofil (incl. 'Auslaufen' zur Ehrenbachhöhe (ab km 3,5)):

3.) Kirchberg - Fleckalm - Ehrenbachhöhe (7,1km, 1030hm)
Eine ebenfalls sehr schöne Trainingsstrecke beginnt am Parkplatz der Gondelbahn 'Fleckalm' zwischen Kirchberg und Kitzbühel auf ca. 800m. Die Strecke führt zuerst auf einer Asphaltstraße bis zum Gasthof 'Fleckalm' bei ca. 1350m. Die Straße ist (nach dem ersten km in einem Wald) bis zum Asphalt-Ende durch die westseitige Lage meist schneefrei.
Ab der Fleckalm folgt man der zum Teil recht steilen und normalerweise harten Piste bis zur Bergstation der Gondelbahn. Auf diesem Streckenabschnitt bitte Vorsicht - die Schifahrer rechnen nicht mit Gegenverkehr (immer ganz am Pistenrand aufsteigen). Eine Besonderheit der Gondelbahn ist neben ihrer Länge, daß jede Gondel einem Land gewidmet ist - incl. Flagge. Ich bin heute mit der Gondel Bangladeshs zurück ins Tal gefahren. Die Talfahrt ist im Winter bis 17:00 möglich.Spikes: im oberen Streckenteil erforderlich.
Höhenprofil und Fotos:

4.) Brixen - Westendorf - Choralm (15,7km, 1160hm)
Eine tolle Strecke mit im Vergleich zum Kitzbüheler Horn moderaten Steigungen startet in Brixen bzw. Westendorf (Variante mit 11km und 1000hm). In beiden Orten kann man bei den jeweiligen Gondelbahnen parken, die man dann auch für den Abstieg benutzen kann. Beim Start in Brixen hat man den Vorteil, daß man zuerst flache 4km zum Warmlaufen hat.Spikes: nicht erforderlich.
Höhenprofil und Fotos:
5.) Itter - Kraftalm (6,6km, 740hm)
Vom Parkplatz der Gondelbahn Itter ('Salvistabahn') beginnt der ca. 6,6km lange Anstieg zur Bergstation der Gondelbahn bzw. zum Gasthof Kraftalm. Im Mittelteil ist der Anstieg gleichmässig steil auf einer oft schneefreien Aspahltstraße. Die letzten ca. 100hm legt man auf einer Schipiste zurück. Dieser Teil kann auf harter Piste etwas mühsam sein, Spikes erleichtern diesen Teil.
Mit etwas gutem Willen und der Bergstation der Gondelbahn im Blick lässt sich auch dieser Abschnitt bewältigen. Der Anstieg ist speziell am Nachmittag reizvoll wenn der Hang von der tieferstehenden Sonne in warmes Licht getaucht wird. Die Talfahrt mit der Gondelbahn ist von 09:00 bis mindestens bis 16:00 möglich.Spikes: auf den letzten 100hm hilfreich.
Höhenprofil und Fotos:

6.) Scheffau - Söll - Bromberg - Brandstadl (13,2km, 1060hm)
Eine Strecke über einen tollen Sonnenhang startet am Parkplatz der Bergbahn Scheffau. Am Beginn steht ein recht langer, flacher bis leicht fallender Teil am Radweg Richtung Söll. Parallel zum Weg liegt die Transalpine Ölleitung vergraben. Man kann den Verlauf der Pipeline im Spätwinter sehr gut sehen, da der Schnee oberhalb der Leitung stets früher taut (im nächsten Foto rechts unten).
Der Anstieg beginnt sehr zahm, entlang eines Bachs beträgt die Steigung anfangs nur wenige Prozent. Erst bei ca. km 6 startet die Steigung auf den Bromberg (bei der Talstation der Gondelbahn Söll). Es geht in weiten Serpentinen über einen sehr schönen sonnigen Hang. Die Straße wird bis auf ca. 1400m Seehöhe geräumt (Talstation des Sessellifts 'Südlift'). Ab dort befindet man sich im Schigebiet.
Wahlweise kann man die letzten 200hm auf einer rodelbahn-ähnlichen Straße oder auf einer recht steilen Schiabfahrt hinter sich bringen. Oben im Bereich des Gasthofs Brandstadl hat man einen tollen Blick auf den Wilden Kaiser. Die Talfahrt ist von 09:00 bis mindestens 16:00 möglich.Spikes: erforderlich bei der Variante 'Piste' bei hartem Untergrund
Höhenprofil und Fotos:

7.) Brixen - Kandler Alm - Choralm (8,9km, 1060hm)
Eine Strecke die man nicht direkt nach Schneefällen wählen sollte ist der Anstieg von Brixen über die Kandleralm zur Bergstation der 'Schiweltbahn'. Die Strecke führt komplett über nicht geräumte Forststrassen, die erst durch Pistenraupen, Schifahrer und Rodler laufbar werden. Der Trainingseffekt ähnelt einem Lauf auf einem Sandstrand mit 10% Steigung. Parkmöglichkeit gibts direkt bei der Gondelbahn.
Der Anstieg startet auf der Rodelbahn Kandleralm mit moderater Steigung. Die Strecke liegt im Winter meist im Schatten. Kurz nach dem Gasthof Kandleralm gibt es eine etwas heikle Querung einer Schipiste (Spikes hilfreich). Ausrutschen sollte man auf diesen ca. 50m besser nicht, sonst muß man ein paar Höhenmeter wiederholen bzw. die blauen Flecken im Tal versorgen. Eine Kehre weiter oben wechselt man von der Rodelbahn auf einen Schiweg mit meist gutem Belag.
Ca. 500m weiter verlässt man den Schiweg auf eine ca. 1,5km lange eher flache Forststrasse. Ab hier muß man mit einer eher tiefen Schneefahrbahn rechnen, vor allem kurz nach Neuschnee ist der Schnee oft einige Tage lang nicht wirklich fest. Sobald bei der verlassenen Talstation eines alten Lifts der Gipfel in den Blick kommt sollte man sich rechts halten und zur Schipiste wechseln. Die letzten 100hm sind am Rand der Schipiste am angenehmsten.
Von den bisher vorgestellten Strecken ist das meiner Meinung nach lauftechnisch die am wenigsten attraktive. Die Reize der Strecke liegen in der relativen Ruhe (Autos gibts keine, Schifahrer Gegenverkehr nur auf kurzen Teilstrecken, Rodler ziemlich selten). Die Aussicht Richtung Kitzbüheler Horn und Wilden Kaiser entschädigt ein wenig. Die Talfahrt mit der 'Schiweltbahn' nach Brixen ist von 09:00 bis mindestens 16:15 möglich.Spikes: an mehreren Stellen hilfreich.
Höhenprofil und Fotos:

weitere Möglichkeiten
- Westendorf - Mittelstation Alpenrosenbahn
- Brixen - Hochbrixen
- Hopfgarten - Tennalm
- Hopfgarten - Rigi
- Söll - Hochsöll
- Bramberg - Wildkogel
- Alpbach - Widersberger Horn
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